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Freitag, 27 Januar 2017 14:39

Februar 2017

geschrieben von
Der erste Monat des neuen Jahres ist rum. Er war erstaunlich ruhig. Also für meine Verhältnisse. Im Revier war nicht viel los. Wir waren zwar einige Male draußen, gingen aber ohne Beute wieder nachhause. Frauchen maulte rum. Sie wäre eingefroren. Wie ein Eiszapfen würde sie sich fühlen. Trotz extra angeschaffter Winterausrüstung. Ich dachte mir nur "hättest du ein Fell wie ich, würdest du nicht frieren." Na ja, so machten sie und ich unsere Revierrunden, sahen nach der Fasanenfütterung und flüchteten uns dann wieder nachhause ins Warme. Und ich hab festgestellt: Für Jagd im Winter bei Eiseskälte ist sie definitiv nicht zu gebrauchen.
Langweilig wurde es mir trotzdem nicht. Die Zeit wurde genutzt, um den sicheren Apport mit mir zu trainieren. Wenn das durch ist, gehts an die Schweißarbeit. Ich bin schon sehr gespannt darauf. Sie auch. Wobei ich ja schon mal ein Reh nachgesucht habe. Das war gar nicht geplant. Hatte sich aus der Situation heraus ergeben. Und das kam so: In einem Anfall von "oh-mein-Gott-was-bin-ich-dick-geworden-da-muss-ich-dringend-was-dagegen-tun" heraus fing meine Rudelchefin an, Nordic Walking zu betreiben. Das ist dieses Laufen mit zwei Stöcken. Ich kenn das schon. Hier kommt regelmäßig eine Gruppe von Walkern vorbei. Die haben den Spitznamen "Stockenten" von mir bekommen. Sieht so komisch aus, wie die laufen. Auf jeden Fall nahm sie, die Chefin, mich an besagtem Tag mit auf ihre Runde. Ich fände es ja besser, wenn sie Mountainbike fahren würde. Da könnte ich mich richtig auspowern und mal sehn, wer schneller ist - sie oder ich. Aber man nimmt, was man kriegt. Kurz bevor wir auf unserem Weg aus dem Wald kamen, hörten wir einen Schrei. Wir blieben stehen und lauschten. Dann wieder ein Schrei, der durch und durch ging. Sie schaute mich an und sagte "das war doch ein Klagen in Todesnot". Hui, plötzlich wurde sie richtig schnell. Und so konnten wir gerade noch sehen, wie ein Wolfshund in einer Wiese in einiger Entfernung ein Jährlingskitz abgetan hat. Als wir uns ihm näherten und er uns gewahr wurde, nahm er seine Beute auf und suchte sein Heil in der Flucht. Wir hinterher. Da aber das Gras der Wiese sehr hoch war, sahen wir ihn nicht mehr. Aber wir fanden Schweiß. "Such verwund" wurde ich aufgefordert, die Schweißfährte zu arbeiten. Das fand ich spannend, roch es doch so interessant. Tja, was soll ich sagen. Ruckzuck war ich auf der Fährte des Wilderers und seiner Beute, die stark schweißte. Bald sahen wir ihn vor uns. Er bekam mit, dass wir ihm jetzt dicht auf den Fersen waren, ließ seine Beute fallen und verschwand im angrenzenden Wäldchen. So weit, so gut. Und jetzt? Meine Supersportlerin packte das Reh und legte es erst mal am Wiesenrand ab. Während sie überlegte, wen sie anrufen sollte um die Telefonnummer des Jagdpächters zu erhalten, kam zufällig der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft vorbei. Ihm schilderte sie den Vorgang und er versprach, sich um alles Weitere zu kümmern. Er sagte auch, dass es nicht das erste Reh gewesen sei, das diese Wolfshybride gerissen hätte. Und dass er nicht verstehen kann, warum man so eine Rasse züchten muss, die alle Wesenseigenschaften eines Wolfes hat und mit denen der Halter dann nicht zurecht kommt. Ja, das ist mir auch ein Rätsel. Wir verabschiedeten uns und walkten Richtung Heimat.
Zuhause wurde ich von meinen Kumpels abgeschnüffelt. Roch ich doch noch sehr verführerisch nach Reh. Natürlich wurde ich sehr gelobt für meine Arbeit. War nicht das erste Mal, dass jemand gesagt hat, dass ich eine gut Nase habe.
Zurück zum Januar. Ich hatte ja schon berichtet, dass man bei meiner Rudelchefin immer mit allem rechnen muss. Und dass Ende Dezember eine junge, schicke DK Schwarzschimmelhündin bei uns eingezogen ist. Find ich auch toll. Mit der kann man so schön herumtoben.
Am 1. Januar hat sich die Herrin über unsere Futterschüsseln wieder auf große Fahrt begeben. Dieses Mal war sie viele Stunden unterwegs. Als sie endlich wieder Zuhause eintrudelte hat sie uns gleich rausgelassen. Dann ist sie mit uns an unseren Bus gegangen und hat die Hundebox geöffnet. Wir mochten unseren Augen nicht trauen. Kam da doch ein rotzfrecher Welpe heraus spaziert. Gerade mal 8 Wochen war sie alt und das personifizierte Selbstbewusstsein. Nomi heißt sie. Die Kleine, die schon mächtig gewachsen ist, mischt kräftig unser Rudel auf. Mittlerweile ist ihr Spitzname "Nominator". Vor ihr ist nichts sicher, alles muss sie gründlich erkunden. Und wir Rüden haben jetzt schon unter ihr zu leiden. So macht sie sich einen großen Spaß daraus, uns zu maßregeln. Wenn zum Beispiel mein Papa raus will und unruhig vor der Haustür hüpft und auch mal bellt, schießt diese Giftnudel von hinten ran und beißt ihm herzhaft in den Hintern. Und er läßt sich das auch noch gefallen - unglaublich! Wenn es Futter oder ein Leckerchen zwischendurch für uns gibt, ist sie die erste, die da ist. Und sitzt natürlich in der ersten Reihe. Wehe, es kommt einer von uns ihrem Futternapf zu nahe. Boah, was kann sie knurren. Aber bei uns mitfressen wollen...."Na, das kann ja noch was werden mit der", denk ich manchmal bei mir.
Am letzten Wochenende im Januar fing meine Chefin an, Klamotten zusammen zu packen. Dann wurde der Bus beladen und wir gingen auf große Fahrt. Nach Dortmund zur  Messe Jagd & Hund. Lustig, so wie unser Magazin, nur andersrum. Unsere erste Printausgabe wird da vorgestellt. Ich bin sehr gespannt darauf, wie sie Euch gefällt. Und wen ich alles auf der Messe treffe. Wie ich Frauchen kenne, werde ich an jedem Messetag ein schönes Lederhalsband aus meiner eigenen Kollektion tragen. Mach ich gern. Denn ich geb zu, eitel bin ich schon. Ein bisschen. Na ja, ok, schon ziemlich. Sonst wäre ich ja nicht der Schnösel.
Ach ja, Ihr findet uns in Halle 8 Stand C44
Euer Schnösel
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Andrea Dehmer

Andrea Dehmer schlug den zur damaligen Zeit für Frauen typischen Berufsweg in Büro und Verwaltung ein. Ein Tätigkeitsschwerpunkt war dabei immer das Verfassen von Artikeln für die Presse und formulieren und halten von Vorträgen. 2007 zog der erste Jagdhund bei ihr ein und sie kam über den Hund zur Jagd. Im Jahr 2010 bestand sie die Jägerprüfung und löste den ersten Jagdschein. Sie jagt in einem Niederwildrevier und führt 4 Deutsch-Kurzhaar, die von ihrer ersten Hündin abstammen.

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