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Montag, 03 Juli 2017 22:00

Juli 2017

geschrieben von
Dieses Mal melde ich mich aus meinem Bildungsurlaub.

Ja, Ihr habt richtig gelesen. Mein Frauchen hat mich weggeschickt. Bildungsurlaub machen. Und ich darf erst wieder nachhause, wenn ich ordentlich was gelernt und eine Prüfung abgelegt habe. „Schnösel“, hat sie zu mir gesagt, „Schnösel, wenn aus Dir ein anständiger, verlässlicher Jagdhund werden soll, muss jetzt was passieren. Ich bin mittlerweile so viel unterwegs, dass ich es nicht schaffe, mich um Deine weitere Ausbildung zu kümmern." Kaum ausgesprochen, hatte sie schon das Handy am Ohr und telefonierte. So sehr ich mich auch anstrengte, ich bekam nur mit, dass eine Frauenstimme am anderen Ende der Leitung war. „Ja, ist ok, das machen wir so, bis dann“, war das Telefonat auch schon wieder beendet.

Ich schaute sie erschrocken an. Sie gibt mich weg, einfach so. Obwohl sie immer gesagt hat, dass sie sich nie von mir trennen wird. Und es sich nicht vorstellen kann, auch nur einen Tag ohne mich zu sein. Jetzt will sie mich doch woanders unterbringen. Und was, wenn sie mich nicht wieder abholt? Ich war die nächsten Tage besonders brav. Weil ich die Hoffnung hatte, dass sie es sich doch noch einmal überlegt. Aber dann war der Tag da. Ich hab es daran gemerkt, dass sie unseren Bus beladen hat. Mit meinem Hundebett, Decken, meinem Futternapf. Also mit meinem ganzen Hab und Gut. Ich wurde ins Auto verfrachtet und los ging es. Und ich hatte immer noch keine Ahnung, wohin.

Nach einer gefühlt halben Ewigkeit steuerte Frauchen das Ziel an. Ich staunte nicht schlecht, als mir bei der Begrüßung drei DK-Weiber gegenüberstanden. Vorsichtshalber ließ ich gleich mal meinen ganzen Charme spielen. Und Bingo. Zack, hatte ich sie um meine Pfote gewickelt. Aber dann kam wüst kläffend noch was kleines dickes Pelziges auf mich zugerannt. Ich machte einen Satz rückwärts und große Augen. Was ist das denn? Mein Frauchen hatte schon vor lauter Lachen Tränen in den Augen. „Schnösel. Das sind Möpse“, japste sie. Ich schaute sie verständnislos an. Möpse? Sind das denn nicht die zwei Dinger bei Frauen....Ihr wisst schon....? Jetzt war ich doch sehr verwirrt. Aber dann dachte ich an die Begebenheit mit der Frau und ihrer Pudelmütze. Als ich herumgeschnüffelt und den Pudel gesucht hab. Bis ich mitbekam, dass diese Mütze nur so heißt. Wegen dem Bommel. Verstanden hab ich es trotzdem nicht.

Frauchen hat sich dann noch auf dem Grundstück umgesehen. Da steht auch ein Hundezwinger. Ich hörte, wie davon gesprochen wurde, dass ich auch ab und zu in den Zwinger soll. Da hättet Ihr mal sehen sollen, wie sich Frauchens Gesicht verzog. Sie ist nämlich eine erklärte Gegnerin von Zwingerhaltung. Was man damit dem Hund antun würde – das ginge ja gar nicht. Wenn Frauchen sagt, dass es so schlimm ist, in den Zwinger gesperrt zu werden – was erwartet mich da? Ich spüre einen Kloß im Hals.

Schließlich verabschiedet sie sich. Weg ist sie. Anfangs hab ich noch nach ihr gesucht. Aber da sind die drei Mädels, die mich gut ablenken. Und es gibt lecker Futter. Und Streicheleinheiten. „Ganz so schlecht hab ich es doch nicht getroffen“, denk ich bei mir. Dann lege ich mich auf meinen Platz und schlafe ein.

Am nächsten Morgen beginne ich zu verstehen, was mit Bildungsurlaub gemeint war. Mein Tagesablauf erhält eine feste Struktur. Mein Training hat begonnen. Wir arbeiten morgens und nachmittags. Erst mal nur Gehorsam. Dann Apport. Wasserarbeit. Schleppen. Mittags bin ich froh, wenn ich in den Zwinger darf. Darin steht eine Hütte, in die ich mich zurückziehen kann. Da habe ich meine Ruhe und kann ungestört entspannen. Nachmittags wird nochmal gearbeitet und abends falle ich in einen komatösen Schlaf.

Meine Ausbilderin ist recht zufrieden mit meinem Lerneifer und meinen Fortschritten. Sie berichtet jeden Tag Frauchen davon. Und hat ihr auch erzählt, wie gern ich in den Zwinger gehe und wie gut es mir tut, zur Ruhe zu kommen. Das hat Frauchen dazu gebracht, ihre Abneigung gegen eine Unterbringung im Zwinger zu überdenken. Um wie vieles ruhiger und entspannter es doch zuhause wäre, wenn zumindest eine zeitweise Unterbringung von mir und den anderen hier in Zwingern stattfinden würde. Und wie viel weniger Dreck im Haus wäre, den sie wegzuputzen hätte. Und wie viel wohler sich Besuch bei ihr fühlen würde, wenn dieser sich nicht von sechs meiner Sorte umringt sehen würde. Ich gebe zu, dass es  für uns Hunde auf der einen Seite schön ist, im Rudel mit im Haus zu leben, wir aber auf der anderen Seite auch einfach mal Ruhe brauchen. Dazu dient eine zeitweise Unterbringung im Zwinger unserem eigenen Schutz. Zum Beispiel vor dem Verbrecher-Gen. Was ich damit meine? Nun, das könnt Ihr in unserer am 1. August erscheinenden Printausgabe lesen.

Euer Schnösel
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Andrea Dehmer

Andrea Dehmer schlug den zur damaligen Zeit für Frauen typischen Berufsweg in Büro und Verwaltung ein. Ein Tätigkeitsschwerpunkt war dabei immer das Verfassen von Artikeln für die Presse und formulieren und halten von Vorträgen. 2007 zog der erste Jagdhund bei ihr ein und sie kam über den Hund zur Jagd. Im Jahr 2010 bestand sie die Jägerprüfung und löste den ersten Jagdschein. Sie jagt in einem Niederwildrevier und führt 4 Deutsch-Kurzhaar, die von ihrer ersten Hündin abstammen.

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