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Samstag, 04 November 2017 12:15

Hund und Maus

geschrieben von
Unser Bus brummt gleichförmig über die Autobahn
. Die Futtermeisterin und unser neuer Befehlsgeber haben meine Tante Doro und mich abgeholt. Wir waren einige Monate im Saarland, wo uns von Freunden von Frauchen viel beigebracht wurde. Jagdhundeausbildung halt. Doro, die alte Streberin, hat sogar die Vollgebrauchsprüfung abgelegt und im 1. Preis bestanden. Jetzt soll es also wieder nachhause gehen. Der neue Kerl an Frauchens Seite fährt. So findet sie Zeit, Emails zu lesen und zu schauen, wer was auf Facebook gepostet hat.
Plötzlich fängt sie an zu lachen. Ich hatte ein bisschen geschlafen und werde davon unsanft geweckt. „Was ist los?“ fragt unser Fahrer. Da liest sie ihm, immer noch lachend, den Post von unserem Chefredakteur vor, den er gerade veröffentlicht hat „Witzig,“ schreibt er dort, „da hat es doch tatsächlich irgendwie eine Maus in mein Haus geschafft. Und nun habe ich einen DD-Dauer-Vorsteher in meiner Ela gewonnen. Ich glaub, ich muss mir eine Falle kaufen und Ela erlösen….“ Ela ist die schicke Drahthaar-Tussi, die bei ihm lebt und die ich ganz toll finde.
Der beste Fahrer von allen bekommt jetzt auch ein dickes Grinsen ins Gesicht. „Wie unsere Brianna“, höre ich ihn sagen. Ich muss kurz überlegen. Ja, jetzt fällt es mir wieder ein. Wir hatten auch eine Maus. Das Mistvieh hatte es sich im Haus gemütlich eingerichtet. Alle Versuche, sie mit einer Mausefalle zu fangen, schlugen fehl. Und auch uns Hunden hat sie immer wieder ein Schnippchen geschlagen. Aber dann hat Brianna, unsere schwarzschimmelige Alarmanlage, sie doch aufgespürt und verfolgt. Kurz bevor sie sie schnappen konnte, hat sich die Maus unter ein Bücherregal gerettet. In letzter Sekunde. Und da saß sie nun hinten in der letzten Ecke, die kleine Maus, und Brianna stand davor. Und stand. Und stand. Irgendwann setzte sie sich hin, aber immer angestrengt in die Richtung blickend, wo sie die Maus vermutete. Alle Versuche von Frauchen, die Hündin zum Aufgeben zu bewegen, liefen ins Leere. Während wir es uns dann alle auf der Couch bequem gemacht haben, saß Brianna immer noch unerschütterlich an der gleichen Stelle und fixierte das Regal. Sie saß. Und saß so lange, bis ihr die Augen zufielen und sie einfach umkippte. Der Schlaf hatte sie übermannt. Diesen kurzen Moment der Schwäche verstand die gewitzte Maus auszunutzen und suchte ihr Heil in der Flucht. Allerdings währte die Freude des kleinen Nagers nicht lange, denn unser Frauchen griff – nachdem sie immer wieder Hinterlassenschaften des ungewollten Hausgastes aus Schubladen und Schränken entfernen musste – zum Äußersten. Hintertrieben wie sie ist, stellte sie eine Rattenfalle mit Köder in eine Schublade der Kommode, in der sich die Maus besonders gern aufzuhalten pflegte. Zumindest deutete die große Anzahl an Mausekötteln darauf hin. Die Kontrolle zwei Tage später zeigte, dass der Giftköder gut gemundet haben musste, denn er war ratzeputz leer gefressen. Frauchen rieb sich schon freudig die Hände. Jetzt musste sie nur noch schauen, wo das pelzige kleine Untier sein Leben ausgehaucht hatte. Aber sie hatte die Rechnung ohne die Maus gemacht, die fröhlich weiter vor allem des Nachts ihr Unwesen trieb. Jetzt war guter Rat teuer. Bis Frauchen ein Licht aufging. „Logisch, dass es nicht funktioniert hat, die Maus ins Jenseits zu befördern. Wir müssen Wasser zur Verfügung stellen. Sonst wirkt das Gift nicht.“ Gesagt, getan. Und ihr perfider Plan ging tatsächlich auf. Es dauerte nicht lange, dann fing es gar fürchterlich zu stinken an in unserem Haus. Ein widerlich süßlicher Geruch waberte durch die Räume. Es begann die fieberhafte Suche nach dem verwesenden Mausekadaver. Ich hab gleich gerochen, woher der Gestank kam und schnüffelte an der Kommode. Frauchen zog Schublade um Schublade auf und fand…nichts. Sie ging auf die Knie und leuchtete mit einer Taschenlampe unter die Kommode…nichts. „Verdammt, irgendwo hier muss die Mauseleiche doch liegen“, hat sie vor sich hin geschimpft. Sie fing an, sämtlichen Inhalt der Schubladen der Kommode auszuräumen. Schließlich öffnete sie erneut die Schublade, in der die Rattenköderfalle stand und ihr waberte ein fürchterlicher Gestank entgegen. Sie nahm die Falle, hielt sie schräg und plumps, fiel die Mäuseleiche raus. Schwups, hat Brianna sie geschnappt und wollte mit ihrer Beute stiften gehen. Frauchen, deren Gesichtsfarbe sich von rosig zu grünlich verfärbt hatte, sprang hinterher, packte Brianna im Genick und zog ihr das stinkende Etwas aus dem Maul. Dann beeilte sie sich, die Mauseleiche in der Biotonne zu versenken.
„Puh, endlich sind wir den ungebetenen Gast los – jetzt kann die Maus nichts mehr anrichten“, freute sie sich. Was sie nicht bedachte: aufgrund der noch sehr milden Temperaturen nahm das nächste Unheil seinen Lauf. Der Tag in der Woche nahte, an dem die Biotonne geleert werden sollte. Es war schon dunkel, als sie in den Hof ging, um die Tonne nach draußen vors Tor zu stellen. Sie nahm den Griff in die Hand und dann hörten wir sie nur noch laut fluchen. „Verdammte Scheiße, was ist das denn?“ Das war so gar nicht ladylike, was sie da von sich gab. „Igitt, was ist das eklig“ schüttelt sie dabei ihre Hand aus. Was hatte sie so aus der Fassung gebracht? Ich rannte nach unten. Und da sah ich es: Maden. Hunderte, vielleicht tausende Maden. Die ganze Biotonne war übersäht damit. „Ein Festmahl für Fasane. Wenn wir welche hätten. Haben wir aber nicht. Blöd“, denk ich bei mir.
Was folgte, war eine nächtliche Dusche der Biotonne und der feste Vorsatz von Frauchen, Mauseleichen doch lieber zu vergraben. Oder weit, ganz weit über den Zaun zu schmeißen. Am besten in den Garten des Nachbarn, dessen Hund es liebt, sich in vor sich hin gammelnden Kadavern zu wälzen. Man möchte ihm ja auch eine Freude bereiten.

In diesem Sinne

Euer Schnösel
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Andrea Dehmer

Andrea Dehmer schlug den zur damaligen Zeit für Frauen typischen Berufsweg in Büro und Verwaltung ein. Ein Tätigkeitsschwerpunkt war dabei immer das Verfassen von Artikeln für die Presse und formulieren und halten von Vorträgen. 2007 zog der erste Jagdhund bei ihr ein und sie kam über den Hund zur Jagd. Im Jahr 2010 bestand sie die Jägerprüfung und löste den ersten Jagdschein. Sie jagt in einem Niederwildrevier und führt 4 Deutsch-Kurzhaar, die von ihrer ersten Hündin abstammen.

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