Jetzt bestellen!

Sonntag, 02 April 2017 15:01

April

geschrieben von
Mittlerweile ist es April.

Brut und Setzzeit. Es gibt keinen Leinenzwang, aber überall den Appell an die Hundebesitzer, ihre Hunde doch bitte nicht abseits der Wege laufen und sie angeleint zu lassen. Der Jagdhundeausbildungslehrgang geht weiter. Dieses Mal trifft man sich an einem Sonntag zum gemeinsamen Üben im Revier. Einem wunderbar trockenen, sonnigen Sonntag. Es soll mit den Hunden auf die in Kürze stattfindende Verbandsjugendprüfung hin geübt werden. Suche, Schussfestigkeit, Vorstehen und Hasenspur. Wir, ich und mein Frauchen, sind als Zuschauer dabei.

Der Revierinhaber erwartet die Korona an einem vereinbarten Punkt und gemeinsam wird die Fahrt durch sein Revier auf staubigen Wegen fortgesetzt. 18 Fahrzeuge sind es, die bei der nicht gerade langsamen Fahrweise gehörig Staub aufwirbeln. Den bekommen die bereits zahlreichen Spaziergänger zu schlucken, die das schöne Wetter für eine Wanderung zur Entspannung nutzen. Ihre lautstarken Proteste werden geflissentlich ignoriert.

Am Ziel angekommen, holt jeder seinen Hund aus dem Auto. Zu Beginn erst einmal Gehorsamsübungen. Korrektes Bei-Fuß-Gehen, Ablegen, Down. Und wieder einmal zeigt sich, wer die Ausbildung seines Hundes ernst nimmt, die Zeit unter der Woche genutzt und mit seinem Hund trainiert hat und wer nicht.

Weiter geht’s mit den Vorstehübungen. Das finde ich besonders interessant. Da wird ein Kästchen mit einer Wachtel in hohes Gras gesetzt. Oder ein Fasan bekommt ein Band an seinen Ständer und wird damit angepflockt. Dann gibt es noch die Variante, eine Taube in einen Feinstrumpf zu stopfen. Da kann sich ja die Wachtel im Kästchen glücklich schätzen, denk ich so bei mir. Jetzt kommt die „gute, alte Ausbildungsmethode“ zum Einsatz: die Nierenschlaufe. Damit werden die Hunde langsam an das Federwild heran geführt. Mancher zeigt schon schöne Vorstehleistung und bleibt auch so lange stehen, dass sich sein Führer langsam an der Leine nach vorne hangeln kann. Andere haben nur eins im Sinn: den Vogel zu packen. In dem Moment, wo sie nach vorne prellen, zieht sich die Nierenschlaufe zu und sie werden unsanft und schmerzhaft ausgebremst. Mir tun meine Artgenossen leid. Möglich, dass bei dem einen oder anderen der Einsatz der Nierenschlaufe zum Erfolg führt. Trotzdem ist es ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Und: es gibt andere Methoden, um ans Ziel zu kommen.

Dann wird zur Feldarbeit übergegangen. Das erste Gespann steht bereit. Kurze Einweisung des Lehrgangsleiters und los geht’s. Der Hund wird geschnallt. Der Hundeführer spurtet im Zickzack-Kurs über das Feld, sein Hund rennt mit. Und dann nimmt das Unheil seinen Lauf. Hab ich schon erwähnt, dass die Feldsuche in einem Bereich stattfindet, in dem mittlerweile viele Spaziergänger, teilweise mit Hunden, unterwegs sind, die das ganze aus der Entfernung wunderbar beobachten können? Es kommt, wie es kommen musste: Hund Nummer eins kommt an Rehwild. Da kann sein Führer trillern so viel er will, sein Hund hetzt Laut gebend fröhlich weiter. Ist ja auch viel lustiger, als sich gehorsam ins Down zu legen. Zumal dieses Kommando ja noch nicht ansatzweise geübt wurde. Durch das unaufhörliche Pfeifen des Führers und das Bellen des Hundes werden die ersten Spaziergänger aufmerksam. Nicht gut, gar nicht gut.

Nachdem Hund irgendwann wieder den Rückweg angetreten und dabei fast noch eine Beißerei mit einem Spaziergängerhund angefangen hatte, soll der nächste Hund eine Suche zeigen. Diese funktioniert tadellos. Es wird aufs nächste Feld weiter gerückt. Und jetzt passiert es: Beim Suchengang einer Deutsch-Kurzhaar-Hündin stolpert diese im wahrsten Sinne des Wortes über einen festliegenden Hasen, der erst in letzter Sekunde Fersengeld geben will. Das wird nur nichts mehr, weil sie ihn blitzschnell gegriffen hat. Der Hase schreit jämmerlich und Hund tut das, was Jagdhund nun mal tun muss: Er fängt an, den Hasen zu schütteln. Dadurch wird der Schrei des Langohrs noch durchdringender. Der Hundeführer weiß nicht, was er tun soll und schaut hilfesuchend nach dem Lehrgangsleiter. Der ist in ein Gespräch vertieft und bekommt das Drama im Feld gar nicht mit. Aufmerksam wird er erst, als er unsanft von der Seite angesprochen wird, was hier los wäre? Und dass das hier einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellen würde und man das Ganze hier zur Anzeige bringen werde. Außerdem kann es nicht sein, dass Jäger und ihre Jagdhunde sich alles rausnehmen könnten. Aber sie selbst sollten ihren Hund an die Leine nehmen. Unverschämtheit. Vor ihm steht das Paar, das vom Pächter des Reviers genau zwei Tage zuvor übelst beschimpft worden war, weil der Hund des Paares frei laufend unterwegs war.

Mittlerweile sind mehr Leute, die eigentlich nur den schönen Tag in der freien Natur genießen wollten, auf die lautstark ausgeführte Diskussion aufmerksam geworden. Die sehr unterschiedlichen Standpunkte der zwei Lager, die sich gebildet haben, prallen unversöhnlich aufeinander. „Oh Mann,“ denke ich mir, „das kann nur Verlierer geben“. Und setzt leider wieder mal in den Köpfen von Otto-Normalverbraucher fest: Alle Jäger sind böse.

Für heute haben wir genug gesehen. Und gehört. Auf dem Weg zu unserem Fahrzeug treffen wir noch den Führer des DK mit seiner Beute. Ich hoffe, er hat sich den Hasenbraten schmecken lassen.

Auf der Fahrt nach Hause war mein Frauchen sehr nachdenklich. Sie hat ja auch noch die alten Jagdhundeausbildungsmethoden beigebracht bekommen. „Weißt Du, Schnösel,“ hat sie zu mir gesagt „es muss doch bei den Vorstehübungen auch anders gehen, ohne diese blöde Nierenschlaufe. Und es gibt sicher auch andere Möglichkeiten, aus Dir einen sicheren Apporteur zu machen – eine Methode, bei der wir beide mit Spaß dabei sind“. Ich schaue sie mit großen Augen an. Das wäre wirklich toll.

Zuhause angekommen, hat sie sich dann an den PC gesetzt. Nach kurzer Zeit muss sie wohl das gefunden haben, was sie gesucht hat: Ein Seminar über eine alternative Methode der Jagdhundeausbildung. Um was es da genau geht, wie das funktioniert, darüber erzähle ich Euch in der zweiten Printausgabe von Hund & Jagd, die am 2. Mai im Handel ist.

Euer Schnösel
Artikel bewerten
(97 Stimmen)
Andrea Dehmer

Andrea Dehmer schlug den zur damaligen Zeit für Frauen typischen Berufsweg in Büro und Verwaltung ein. Ein Tätigkeitsschwerpunkt war dabei immer das Verfassen von Artikeln für die Presse und formulieren und halten von Vorträgen. 2007 zog der erste Jagdhund bei ihr ein und sie kam über den Hund zur Jagd. Im Jahr 2010 bestand sie die Jägerprüfung und löste den ersten Jagdschein. Sie jagt in einem Niederwildrevier und führt 4 Deutsch-Kurzhaar, die von ihrer ersten Hündin abstammen.

Mehr in dieser Kategorie: « März 2017 Der Bock ist aufgegangen »
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten
Cron Job starten