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Samstag, 20 August 2016 14:54

Im DTK wird auf ganz dünnem Eis gezüchtet

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Wie sieht die Zukunft des Teckels aus? Wie sieht die Zukunft des Teckels aus?

Ist es der eklatante Rückgang der Welpenzahlen in den letzten 20 Jahren? Ist es die Macht einiger weniger Großzüchter?

Im Deutschen Teckelklub wird Risikozucht toleriert. Dies entspricht zwar ganz und gar nicht dem Regelwerk des Verbands für das deutsche Hundewesen (VDH).  Aber was hat der große Beitragszahler DTK schon aus dieser Ecke zu befürchten?
Teckel können an Teckellähme erkranken. Sie können erblinden. So mancher Teckel stirbt vorzeitig an Herzleiden oder quält sich durch ein Leben mit Epilepsieanfällen. Oder er wird nur wenige Tage alt und stirbt an der Glasknochenkrankheit.
Den Krankheiten gemeinsam ist, dass sie vermutlich alle vererbt werden können. Teckellähme, Katarakt oder Herzerkrankungen treten zumeist im fortgeschrittenen Alter auf, wenn die Hunde schon lange im Zuchteinsatz sind. Für diese Krankheiten gibt es keinen Bluttest. Dagegen können Trägereigenschaften von crd-PRA und Glasknochenkrankheit durch einen Test gefunden werden.
Hat ein Züchter dieses Wissen, so ist es relativ einfach, Krankheiten in der eigenen Zucht zu vermeiden. Man muss nur einen natürlich ebenfalls getesteten Zuchtpartner finden, der frei von Trägereigenschaften ist. Das kostet zwar etwas Geld. Aber erhalten die Züchter nicht auch ordentliche Welpenpreise?
Im DTK jedenfalls gibt es keinen einzigen verpflichtenden Bluttest.
Wie bedeutsam dieses Thema ist, zeigt das Beispiel Glasknochenkrankheit. Diese immer tödlich verlaufende Krankheit kommt fast ausschließlich bei Rauhhaarteckeln vor. In dieser Teckelrasse sind einer Studie der TiHo Hannover (2011) zufolge über 20 Prozent Träger, also  Vererber der Krankheit. Wird ein solcher Träger mit einem anderen Träger verpaart, dann werden nach den Gesetzen von Mendel 25 Prozent der Welpen erkranken und sterben.
Als 2006 der damalige DTK-Präsident Dieter Honsalek, in dessen Zucht die Krankheit eingeschlagen war, einen Pflichttest durchsetzen wollte, trat er einen Shitstorm unter den Züchtern und in einigen Landesverbänden los. Letztendlich zwang diese Koalition Honsalek zum Rücktritt - und die Züchter können bis heute weiterwursteln. Von einem Gesundheitsplan ist weit und breit nichts zu erkennen.
Vom Präsidium bekommen sie offiziell Rückendeckung. Präsident Stefanus Middendorf fordert: „Beschließen wir nur das, was zum Erhalt unserer Rasse wirklich notwendig ist.“ Er und der Geschäftsführende Vorstand des DTK sind der Meinung, „dass das Thema Gesundheit positiv begleitet werden soll“. Es soll „so viele Informationen wie möglich, aber so wenig Pflichtuntersuchungen wie nötig geben“. Konkret heißt das: Es gibt keine einzige Pflichtuntersuchung.
Auch ein letztes Feigenblatt hat der DTK auf dem großen Komposthaufen der DTK-Zuchtlenkung entsorgt: Ein 2010 begonnenes Screening zum Thema Teckellähme  wurde abgebrochen, „weil die Züchter mit Chippen und DNA-Programm bereits hinreichend belastet sind“, so Middendorf. 2013 wurde ein Forschungsvorhaben mit den Unis Gießen und Bochum zum selben Thema angekündigt. Auch dieses Vorhaben wurde inzwischen aufgegeben, weil es einerseits zu teuer geworden wäre (Schöler), andererseits aber nicht genug „Material“, also erkrankte Hunde, gemeldet wurden, die man hätte untersuchen können.
Die Zuchtlenkung in diesem größten Zuchtverein innerhalb des JGHV ist eine einzige Katastrophe. Viele machen das an dem langjährigen Bundeszuchtwart Dr. Karsten Schöler fest, der bislang jeden Versuch blockierte, Gesundheitstests zur Verpflichtung zu machen. Karsten Schöler wird bald der Vergangenheit angehören, da er im nächsten Jahr nicht mehr kandidieren wird.
Die Vereinsführung hat schlicht Angst davor, dass mit Untersuchungskosten belastete Züchter in den grauen Markt abtauchen. Aus Angst vor Schwarzzuchten wird die Gesundheit einer Rasse in Kauf genommen? Unglaublich!
Verantwortlich für das Desaster ist aber natürlich nicht der Bundeszuchtwart allein. Präsident Stefanus Middendorf und seine Vertreterin Brigitte Vosen, die auch Obfrau für nichtjagdliche Prüfungen ist, haben alle Hände voll zu tun, im Verein eine neue Begleithundprüfung zu etablieren, über die viele Teckelfreunde mittlerweile den Kopf schütteln. Schaut man sich die Homepage des Vereins an, bekommt man tatsächlich den Eindruck, dass die Begleithundprüfung einen höheren Stellenwert bekommen hat als traditionelle große jagdliche Prüfungen (zum Beispiel Bundessiegersuche) oder große Zuchtschauen. Brigitte Vosen sieht die Zukunft des Teckels im dog-dancing. Eine grauenvolle Vorstellung.
Der Bundeszuchtwart tritt nicht mehr an, der Präsident hat kaum noch Rückhalt im DTK und seine Stellvertreterin stellt sich ebenfalls als Fehlbesetzung heraus. Doch was kommt danach? Die Landesverbände im DTK und die ihnen untergeordneten Gruppen haben jetzt die Chance, Weichen für einen Neuanfang zu stellen. Damit der Teckel seinen guten Ruf auch für Jäger zurückerhält, wird es an der Spitze des Vereins wohl so etwas wie eine Palastrevolution geben müssen.
Ach ja, natürlich gibt es da noch die vielen Züchter, die freiwillig die Gesundheitstests durchführen lassen und zu recht  auch stolz damit werben können.
Aber kann es sein, dass die Spitze eines Zuchtvereins erleben muss, dass der Markt reguliert, was ihre ureigene Aufgabe gewesen wäre?

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Tobias Paulsen

Tobias Paulsen hat den Beruf des Redakteurs ab den 70er Jahren in Frankfurt von der Pike auf gelernt. Journalistisch wirkte er zunächst im Lokalen und wechselte später an die Frankfurter Gerichte. Als er in den 90er Jahren Interesse für Wald und Wild entwickelte, war die Ausbildung zum ersten Jagdschein fast schon ein Muss. Anschließend arbeitete er einige Jahre für mehrere Jagdzeitungen und spezialisierte sich dann noch einmal auf den Bereich Jagdhund. Selbst führte er Teckel, einen Kleinen Münsterländer und aktuell einen Deutsch-Drahthaar. Hund & Jagd gründete er 2004.

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