Jetzt bestellen!

Montag, 02 Januar 2017 21:06

Januar

geschrieben von
Zwei Aussagen, die in den letzten Wochen von sehr aktiven Hundeführern mir gegenüber gemacht wurden, haben mich aufhorchen lassen.

Ein Hundeführer aus Thüringen erzählte mir, in dieser Jagdsaison seien auffallend viele Hunde bei staatlichen Bewegungsjagden von Jagdgästen erschossen worden. Zugleich kam die Meldung aus einem thüringischen Forstamt, dass dort ein Jagdgast erst einen Hirsch erlegte und Minuten später erneut in Richtung Hirsch schoss - und einen Terrier tötete. Dann verließ er nach Zeugenaussagen während des Treibens seinen Stand und turnte mit geladener Waffe im Wald herum. Den Täter, ein Zahnarzt aus Erfurt, traf aus Sicht des Forstamtsleiters trotzdem kein Verschulden. Und der Forstamtsleiter setzte noch einen drauf: Er schätze den Schützen sehr. Den Tod des Hundes bezeichnete der Forstamtsleiter als "Restrisiko", das ein Hund bei einem Jagdeinsatz nun einmal habe.
Ein Nachsuchenführer aus Hessen konnte mit ähnlichen Horrormeldungen aufwarten. Er sagte wörtlich zu mit: "Ich bin gespannt, wann der erste Treiber im Wald bleibt."
Ok, könnte man sagen, das sind Einzelfälle. Sind es aber wohl nicht. Selten habe ich von so vielen getöteten Hunden auf Drück-, Treib- und Baujagden gehört wie in diesem Jahr. 
Wie soll man mit solchen Schlumpschützen umgehen? Es gibt sicherlich Fälle, man denke an den hinter einer anwechselnden Sau klebenden Terrier, wo Schützen tatsächlich keine Schuld trifft, wenn erst die Sau getroffen wird und danach unglücklicherweise der Hund. Dies sind aber, hört man sich die Fallschilderungen an, um Ausnahmen. In aller Regel wurde geschossen, weil eine Bewegung in der Dickung oder dem hohen Bewuchs wahrgenommen wurde. Restrisiko für den Hund? Zynischer hätte es der Forstamtsleiter nicht ausdrücken können.
Erinnern wir uns an den Fall Hannibal. Ebenfalls in Thüringen hatte ein benachbarter Pächter den überjagenden Wachtelhund aus kürzester Entfernung vorsätzlich hingerichtet. Und was tat die zuständige Staatsanwaltschaft? Sie stellte das Verfahren ein! Erst als sich ein Sturm der Entrüstung über der Verfolgungsbehörde entlud, führte der Oberstaatsanwalt das Verfahren weiter. Der Pächter wurde verurteilt, verlor Jagdschein und Revier.
Wer auf etwas schießt, das er zuvor nicht eindeutig angesprochen hat, beweist seine Unzuverlässigkeit als Jäger. Wir Hundeführer müssen in jedem Einzelfall Druck auf die Behörden ausüben, damit diese Denkweise dort auch ankommt.
Artikel bewerten
(38 Stimmen)
Tobias Paulsen

Tobias Paulsen hat den Beruf des Redakteurs ab den 70er Jahren in Frankfurt von der Pike auf gelernt. Journalistisch wirkte er zunächst im Lokalen und wechselte später an die Frankfurter Gerichte. Als er in den 90er Jahren Interesse für Wald und Wild entwickelte, war die Ausbildung zum ersten Jagdschein fast schon ein Muss. Anschließend arbeitete er einige Jahre für mehrere Jagdzeitungen und spezialisierte sich dann noch einmal auf den Bereich Jagdhund. Selbst führte er Teckel, einen Kleinen Münsterländer und aktuell einen Deutsch-Drahthaar. Hund & Jagd gründete er 2004.

Mehr in dieser Kategorie: « Dezember Februar »
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten
Cron Job starten