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Donnerstag, 27 Oktober 2016 16:43

November

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Seit Jahren hat die Führung des Jagdgebrauchshundverbandes (JGHV) damit zu kämpfen, dass sie in der Politik kein Gehör findet. Oder ist es vielleicht so, dass die JGHV-Führung seit Jahren mit den Resten vorlieb nehmen muss, die an den Tischen der Großen anfallen?

 

Die JGHV-Führung hat bisher immer darauf vertraut, in den Landesjagdverbänden dicke Freunde zu haben. Das rächt sich jetzt. Denn die dicken Freunde sind unzuverlässig geworden. Einige scheren sich sogar einen Teufel darum, welche Interessen der "alte Freund" JGHV hat.

 

Viel zu spät haben die Mitglieder des Präsidiums erkannt, dass eine Hauptversammlung der Delegierten und ein Präsidium nicht ausreichen, die Interessen des Jagdgebrauchshundwesens in den Ländern zu vertreten. Und jetzt wehren sich die Landesjagdverbände - in Schleswig-Holstein, in Nordrhein-Westfalen, in Hessen - dagegen, dass der JGHV plötzlich eigene Ideen entwickelt. Insbesondere in diesen drei Bundesländern ist es aber den Jagdverbänden auch nicht ansatzweise gelungen, die Arbeit hinter der Müller-Ente zu bewahren. 

 

Wieso sollten sie das auch? Die Jagdverbände haben ganz andere Interessen. Das Recht auf Kirrungen, Fütterungen, Reviergrößen, Pachtperioden usw. sind für die Mitglieder nun einmal wichtiger als die Zucht leistungsstarker Hunde zur Jagd.

 

Die JGHV-Führung hat in der positiven Betrachtung übersehen, in der Realität aber wohl eher verschlafen, dass Jagdpolitik schon lange nicht mehr in den Geschäftsstellen der Landesjagdverbände gestaltet wird, sondern in den Büros der Obersten Jagdbehörden. Und weil das so ist, kann sich in NRW ein Umweltminister Johannes Remmel auf die Schenkel klopfen, wenn er das Theater zwischen dem LJV und der Jagdkynologischen Vereinigung verfolgt. Aus seiner Sicht macht es Sinn, die JKV mit dem Entenmonitoring zu beauftragen. Allein die Vorstellung, wie die LJV-Führung kollektiv Schaum vor den Fang bekommt, dürfte im Ministerium für geballte Heiterkeit sorgen.

 

Die JGHV-Führung hat also im Verhältnis zu den Ländern versagt. Rettungsversuche  kommen zu spät. Aufbauarbeit, Kärrnerarbeit ist gefragt. Doch wer ist dafür geeignet in der aktuellen Führung?

 

Das Präsidium ist zerstritten wie noch nie. Einstimmige Beschlüsse sind die Ausnahme, durch das Präsidium geht ein Riss. Auf der einen Seite Präsident Werner Horstkötter mit ein, zwei Getreuen. Auf der anderen Seite Vize Uli Augstein mit zahlenmäßig geringerer Unterstützung.

Prüfungsobmann Josef Westermann bekommt sein Aufgabengebiet nicht in den Griff. Der Zustand des Verbandsrichterwesens ist eigentlich ein Skandal, und man muss sich wundern, dass nicht noch mehr junge Hundeführer den Verbandsprüfungen den Rücken kehren.

 

Die großen Zuchtvereine können dem JGHV auf der Nase herumtanzen.

Beispiel DTK: Auf Prüfungen hinter lebendem Wild benötigt beim DTK niemand einen Jagdschein, auch wenn dies einer einstimmig gefassten Erklärung des JGHV widerspricht. Der DTK muss nur mit Austritt drohen und den JGHV-Gewaltigen bibbern die Knie angesichts des Ausfalls hoher Beitragseinnahmen. Folge: Beim DTK darf auf der Hasenspur weiter jedermann führen. Gefahr: Die Hasenspur wird politisch ein Thema und irgendwann verboten.

Beim DTK dürfen auch ruhende Verbandsrichter richten, was der JGHV bei keinem anderen Verein zulassen würde. Und warum ist das so? Weil sich die JGHV-Führung erpressbar gemacht hat. Der Verband ist abhängig von den Beiträgen der Mitglieder und da toleriert man schon mal, was anderswo gegeißelt wird.

 

Wer immer in etwas mehr als einem Jahr neuer JGHV-Präsident wird - er übernimmt eine kaum bewältigbare Aufgabe. Wen wundert es, dass sich um diesen Job nicht gerade viele reißen.

 

 

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Tobias Paulsen

Tobias Paulsen hat den Beruf des Redakteurs ab den 70er Jahren in Frankfurt von der Pike auf gelernt. Journalistisch wirkte er zunächst im Lokalen und wechselte später an die Frankfurter Gerichte. Als er in den 90er Jahren Interesse für Wald und Wild entwickelte, war die Ausbildung zum ersten Jagdschein fast schon ein Muss. Anschließend arbeitete er einige Jahre für mehrere Jagdzeitungen und spezialisierte sich dann noch einmal auf den Bereich Jagdhund. Selbst führte er Teckel, einen Kleinen Münsterländer und aktuell einen Deutsch-Drahthaar. Hund & Jagd gründete er 2004.

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