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Freitag, 02 März 2018 13:49

Retriever-Club reagiert auf Gesundheitsprobleme

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Der Deutsche Retriever-Club ruft seine Mitglieder auf, sich an einer Ellbogenstudie für Golden und Labrador-Retriever zu beteiligen. Im Februar hatte Hund & Jagd über vielfältige Gesundheitsprobleme in einigen Retriever-Rassen berichtet.

Armgard de la Motte und Dr. Petra Schneller richteten anschließend einen Aufruf an die DRC-Mitglieder: „Das Leiden der Hunde mit Ellenbogengelenksdysplasie (ED) überbietet die allermeisten anderen Beeinträchtigungen und ist auch für Hundebesitzer belastend - von den Kosten ganz abgesehen.“ Seit 30 Jahren sei die Röntgenuntersuchung der Ellbogen bei Retrievern im DRC vor dem Zuchteinsatz verpflichtend. Die Anforderungen an Zuchthunde im DRC seien ständig gestiegen.
Die jährlichen Auswertungen der Nachzuchthunde hätten aber gezeigt, dass ein Zuchtfortschritt hinsichtlich der Verbesserung der Ellbogengesundheit sehr langsam, manchmal gar nicht zu beobachten sei. Beim Labrador gab es wohl kurzfristig den Versuch, mit Hilfe von Zuchtwertobergrenzen bei Verpaarungen einen Fortschritt zu erreichen. Mit dem Wechsel des Gutachters und dem Wechsel der Arbeiten zur Zuchtwertschätzung von der Firma dogbase zum VIT Verden (Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung) wurde diese Arbeit aber erst einmal unterbrochen.
Jetzt schreiben Armgard de la Motte und Dr. Petra Schneller an die DRC-Mitglieder: „Durch bahnbrechende Erkenntnisse der Wissenschaft zum Genom ermöglicht, eröffnet sich jetzt über eine Zusammenarbeit von mehreren Einrichtungen (VIT Verden, Justus-Liebig-Universität Gießen und Generatio) die Option, ein gemeinsames Forschungsprogramm zur Reduzierung der ED zu starten.“ Dafür werden erstmals genomische Verfahren eingesetzt, wie sie in der Nutztierzucht seit Jahren erfolgreich angewendet werden. Genetisches Material der schon geröntgten oder noch zu röntgenden Hunde wird im Labor analysiert und das Ergebnis mit den Röntgenbefunden abgeglichen und ausgewertet. Das VIT stellt dafür technische und personelle Kapazitäten bereit. Der DRC unterstützt das Projekt durch die Bereitstellung der Röntgenaufnahmen und des genetischen Materials der Hunde.
In dem Aufruf an die DRC-Mitglieder heißt es weiter: Seitdem 2005 das Genom eines Hundes erstmals komplett ausgelesen wurde, sind bereits Riesenfortschritte bei der Zurückdrängung von Erbkrankheiten erzielt worden. Die ED sei eine Erkrankung, an der nach derzeitigem Wissensstand sehr viele Gene beteiligt seien. Solchen Erkrankungen könne man nur mit genomischen Methoden unter Einbeziehung komplexer Rechentechnik auf den Grund gehen, ein einfacher Gentest greife da nicht.
Seit dem Start der DNA-Einlagerung von DRC-Zuchthunden im Jahr 2011 biete sich nun erstmals die Möglichkeit, eine Krankheit lindern zu können, die nicht nur durch ein einzelnes verändertes Gen ausgelöst wird.
„Was soll Gegenstand dieser Studie sein?“ reagiert Peter Wingerath, Vorsitzender des Labrador-Clubs Deutschland auf die Frage, wie sein Verein die geplante Studie bewerte. Wingerath ist von dem Vorhaben des Retriever-Clubs nichts bekannt.
Seine in Hund & Jagd 5 gemachten Aussagen zur Gesundheitsproblematik will er jetzt aber nicht gemacht haben. Er habe nicht gesagt, dass er „Großes“ vorhabe bei der Bekämpfung der Gesundheitsprobleme. Auch sei die Röntgenquote mit 24 Prozent falsch wiedergegeben worden. Richtig seien 50 Prozent. Das Gespräch mit Peter Wingerath wurde schriftlich protokolliert. Deswegen bleibt Hund & Jagd bei seiner Darstellung der Wingerath-Aussagen.
Wer auf der Homepage des Labradors-Clubs Hinweise auf die Gesundheit der Hunde sucht, kann leicht ins Grübeln kommen. Während auf der Homepage des Retriever-Club die Probleme mit der Gesundheit mancher Hunde klar und deutlich kommuniziert werden, muss man auf der Seite des Labrador-Clubs lange suchen, um überhaupt Informationen zu erhalten. Diese sind dann auch noch ziemlich spärlich.
Die Außendarstellung des LCD-Clubs ist, zumindest zum Thema Gesundheit, katastrophal. Nach Information von Hund & Jagd fordern Mitglieder bereits die Abberufung des LCD-Vorsitzenden bzw. des gesamten Geschäftsführenden Vorstands. Hierüber muss eine Mitgliederversammlung entscheiden.
Zu dieser Mitgliederversammlung hatte LCD-Vorsitzender Wingerath auch Hund & Jagd eingeladen. Jetzt schreibt er: „Meine mündliche Zusage, dass Sie an unserer Mitgliederversammlung teilnehmen dürfen, werde ich voraussichtlich nicht länger halten können. Es werden auf der Mitgliederversammlung Dinge zu besprechen sein, welche gegebenenfalls Persönlichkeitsrechte von Mitgliedern berühren werden.“ Aha. tob
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Tobias Paulsen

Tobias Paulsen hat den Beruf des Redakteurs ab den 70er Jahren in Frankfurt von der Pike auf gelernt. Journalistisch wirkte er zunächst im Lokalen und wechselte später an die Frankfurter Gerichte. Als er in den 90er Jahren Interesse für Wald und Wild entwickelte, war die Ausbildung zum ersten Jagdschein fast schon ein Muss. Anschließend arbeitete er einige Jahre für mehrere Jagdzeitungen und spezialisierte sich dann noch einmal auf den Bereich Jagdhund. Selbst führte er Teckel, einen Kleinen Münsterländer und aktuell einen Deutsch-Drahthaar. Hund & Jagd gründete er 2004.

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