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Mittwoch, 13 Juni 2018 15:37

Landgericht bestätigt hohe Geldstrafe für ehemaligen Drahthaar-Züchter

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Nach zweitägiger Verhandlung hat ein Schöffengericht am Landgericht Kassel die Berufung von Horst K., Inhaber des Drahthaar-Zwingers Kuhls, gegen ein Urteil des Amtsgerichts verworfen.
K. muss 180 Tagessätze Strafe dafür bezahlen, dass er die Kurzhaarhündin Jola vom Entenpfuhler Forst verhungern ließ. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass die Hündin "jämmerlich verreckt" ist. Aber auch die Berufung der Staatsanwaltschaft wurde verworfen, die eine Freiheitsstrafe gegen den Züchter gefordert hatte.
Im Verlaufe der Prozesse hatte der 76-jährige Züchter immer wieder neue Lügen aufgetischt, die ihm in jedem Einzelfall widerlegt wurden. Sein Verteidiger forderte, dass die Lügereien nicht gegen ihn gewertet werden dürften.
Amtsvetererinäre hatten im Dezember 2015 die tote Hündin in einem Zwinger entdeckt. Zunächst behauptete der Mann, der Hund gehöre ihm und er habe sieben Tage vorher einen Jagdunfall gehabt. Eine Pathologin sagte später aus, der Hund habe mindestens drei Wochen lang keine feste Nahrung (alledings Wasser) erhalten. Zur Jagd sei sie überhaupt nicht mehr fähig gewesen. Dann behauptete er, der Hund sei möglicherweise vergiftet worden. Auch dies wurde von der Pathologin widerlegt. Dann erklärte er, nicht er, sondern ein Grieche sei der Besitzer. Auch dies stellte sich als unwahr aus. Schließlich veranlasste er, dass ein früherer Kurzhaar-Züchter, der derzeit eine längere Haftstrafe absitzt, aus der Justizvollzugsanstalt Diez nach Kassel gebracht wurde. Dieser Mann habe den todkranken Hund bei ihm untergebracht, sagte der Züchter aus. Der Zeuge sagte das Gegenteil aus...
Auf den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, weshalb er das Tier nicht zu einem Tierarzt gebracht habe, antwortete er, das habe er gewollt. Doch an einem Mittwoch, an dem er dies machen wollte, habe der Tierarzt geschlossen gehabt. Am nächsten Tag habe er keine Zeit gehabt. Und am Folgetag habe der Hund bereits tot im Zwinger gelegen.
Das Urteil hat für den Züchter weitreichende Folgen: Der Verein Deutsch-Drahthaar sperrte seine Zucht. Sein Jagdschein wurde nicht verlängert. Der JGHV stellte seine Verbandsrichtereigenschaft ruhend. Auch die Stammbuchkommission nahm Ermittlungen auf, nachdem Täuschungsversuche im Rahmen einer VGP bekannt wurden, die der Züchter im Auftrag des Kurzhaar-Klubs KurHessen organisiert hatte. Allen vier Teilnehmerhunden wurde die VGP aberkannt.
Inzwischen wurde bekannt, dass der Züchter gegen das Urteil mit Revision vor dem Oberlandesgericht vorgeht.
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Tobias Paulsen

Tobias Paulsen hat den Beruf des Redakteurs ab den 70er Jahren in Frankfurt von der Pike auf gelernt. Journalistisch wirkte er zunächst im Lokalen und wechselte später an die Frankfurter Gerichte. Als er in den 90er Jahren Interesse für Wald und Wild entwickelte, war die Ausbildung zum ersten Jagdschein fast schon ein Muss. Anschließend arbeitete er einige Jahre für mehrere Jagdzeitungen und spezialisierte sich dann noch einmal auf den Bereich Jagdhund. Selbst führte er Teckel, einen Kleinen Münsterländer und aktuell einen Deutsch-Drahthaar. Hund & Jagd gründete er 2004.

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