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Montag, 26 September 2016 15:30

Oktober 2016

geschrieben von
Das war sie also. Die Dr. Kleemann Zuchtausleseprüfung des Deutsch-Kurzhaar Verbandes. Wir sind auf dem Heimweg. Über acht Stunden Fahrt haben wir vor uns. Und es waren Führer mit ihren Hunden da, die eine noch viel größere Entfernung zurückgelegt haben, um dabei zu sein. Was für ne Strapaze. Nur für eine Hundeprüfung. Ich frag mich: Was hat Mensch davon?

Mein Chef und das Frauchen reden über die vergangenen Tage. Sie diskutieren. Es geht um das Niveau der Prüfung. Und dass die Prüfungsordnung und die gezeigten Arbeiten weit auseinander klaffen würden. Ihr Gebrabbelt macht mich müde. Ich schlafe ein ...

....und träume davon, wie ICH  stolz durch den Ring laufe. Platz da, jetzt komm ich - der Schnösel! Jeder soll sehen, WIE toll ich bin. Mich den Formwertrichtern von meiner elegantesten Seite zeige. Und das Prädikat "vorzüglich" auf meinen Hintern -ähm nein, natürlich in meine Ahnentafel - gestempelt bekomme.

Der nächste Tag: Die Prüfung geht los. Wir fahren ins Feld. Elegant ziehe ich meine Kreise. Ich finde einen Hasen und stehe vor. Nein, dieses Mal bin ich gehorsam und versuche nicht, ihn zu packen. Die Suche geht weiter... Moment....was rieche ich denn da? Das duftet doch nach Fasan? Ich stehe vor, ziehe nach, stehe vor, in allerbester Kurzhaar-Manier. Die Richter sind zufrieden. Meine Futtermeisterin auch. Prima, damit hab ich mir für heute Abend ne Extra Portion Fleisch gesichert.

Jetzt noch ans Wasser. Boah, was ist das groß. Und viel Schilf. Ich soll ins Wasser und das Schilf durchstöbern. Es riecht nach den Hunden, die vorher hier waren. Und es riecht nach einer Ente. Verdammt, wo ist das Biest? Ich suche. Immer der Nase nach. Plötzlich höre ich quaken und ein Platschen. Schnell hinterher. Ja, da schwimmt sie. Ich nehme die Verfolgung auf. Warte, du Federvieh, dich krieg ich! Oh...wo ist sie denn jetzt hin? Abgetaucht. Wie fies ist das denn! Ich suche und suche. Schwimme zum Schilf und durchstöbere es. Und stolpere über eine Ente. Die packe ich lieber gleich, bevor sie sich ins Wasser verzieht, und bringe sie meinem Frauchen. Schau mal, ich hab Beute gemacht. Brav setze ich mich hin und warte, bis mir die Ente abgenommen wird. Moment - was soll das denn? Warum werde ich schon angeleint? Da sind noch ganz viele Enten, die ich bringen kann. Glaubt mir doch! Aaah, es wird eine tote Ente ins Wasser geworfen, die ich rausholen soll. Kein Problem. Ich schwimm hin. Es wird aufs Wasser geschossen. Ich recke meinen Hals aus dem Wasser und schaue, ob eine Ente getroffen wurde. Ist aber ein schlechter Schütze gewesen, weil, außer der reingeworfenen toten Ente ist da nichts. Also pack ich die und bring sie. Fertig. Ich höre, wie die Richter meine Arbeit besprechen. Sie sind wohl zufrieden. Denk ich mir, weil mein Mensch sich so freut. Und knuddelt. Muss ich die Prüfung wohl bestanden haben.

Ich wache auf und hänge meinem Traum nach. Ich denke an den vergangenen Festabend. Da saßen alle zusammen und redeten über die Prüfung. Viele sind stolz auf ihre Hunde. Die haben bestanden. Andere sind durchgefallen und sagen, sie sind trotzdem stolz auf ihre Hunde. Aber ich sehe, dass sie irgendwie sauer sind. Und frage mich, warum es Ihnen so wichtig ist, dass ihr Hund einen Titel bekommt. Dann fällt mir ein Gespräch von zwei Männern ein. Das habe ich im Hotel auf der Terrasse belauscht. Die beiden haben sich über die Leistungen ihrer Hunde unterhalten. Sie haben sich gegenseitig mit Prüfungsergebnissen ihrer Vierbeiner übertrumpft. Und was so ein Hund wert ist, wenn er den Titel "KS" trägt. Wie oft ein Rüde dann als Deckrüde zum Einsatz kommt und die Kasse für seinen Besitzer klingelt. Und dass einem die Welpen einer "KS"-Hündin aus der Hand gerissen werden. Je mehr dieses "KS" in der Ahnentafel auftaucht, umso besser sollen die Welpen sein. Glauben zumindest die ahnungslosen Welpenkäufer. Und zahlen dann auch schon mal etwas mehr für den kleinen Wurm.

Das ist es also, was Mensch antreibt. Sie fahren mit uns tausende Kilometer, investieren Zeit und Geld - da dürfen sie natürlich auch erwarten, dass wir ihnen was zurückgeben. Uns den Titel holen und dann Geld für sie verdienen. Als Deckrüde oder Zuchthündin. Es gibt natürlich auch noch den einen oder anderen, dem Ruhm und Ehre reichen. Mir entfährt ein tiefer Seufzer.

Ich habe viele Gespräche belauscht auf der Kleemann 2016. Dabei habe ich erfahren, dass ein Berufsabrichter 2000 € Prämie erhält, wenn der von ihm geführte Hund erfolgreich abschneidet. Ich mag gar nicht darüber nachdenken, welche Mittel eingesetzt werden, um das Ziel zu erreichen. Es gab nur wenige Besitzer frisch gekürter KS-Titelträger, die geäußert haben, dass sie auch während der Prüfungsvorbereitungen gemeinsam mit ihrem Hund gejagt haben. Sich jetzt auf die weitere jagdliche Zusammenarbeit mit ihren gut ausgebildeten Hunden freuen. Und ist es nicht genau das, um was es gehen sollte - die Freude an der gemeinsamen Jagd?
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Andrea Dehmer

Andrea Dehmer schlug den zur damaligen Zeit für Frauen typischen Berufsweg in Büro und Verwaltung ein. Ein Tätigkeitsschwerpunkt war dabei immer das Verfassen von Artikeln für die Presse und formulieren und halten von Vorträgen. 2007 zog der erste Jagdhund bei ihr ein und sie kam über den Hund zur Jagd. Im Jahr 2010 bestand sie die Jägerprüfung und löste den ersten Jagdschein. Sie jagt in einem Niederwildrevier und führt 4 Deutsch-Kurzhaar, die von ihrer ersten Hündin abstammen.

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