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Dienstag, 28 Februar 2017 22:58

März 2017

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Es ist März. Beginn der Brut- und Setzzeit. Und Beginn der Jagdhundeführerlehrgänge bei den Jagdvereinen.
Wird Zeit, denn im April stehen schon die Jugendprüfungen an. Meistens findet das erste Treffen, die Eröffnung des Lehrgangs, im Jägerheim des jeweiligen Vereins statt. Beim Betreten des Vereinsheims gleich ein großes Hallo. "Da schau, Du auch hier? Was hast Du denn für einen Hund am Strick?" "Ich will mit meinem bis VGP machen - und Du?" "Ach, Prüfungen sind mir eigentlich egal. Aber ich muss ja nen brauchbaren Hund haben. Da reicht mir die BP." Es folgt die Anmeldung des Hundes und Entrichtung der Lehrgangsgebühr. Der kynologischen Leiter des Vereins, der oft auch Lehrgangsleiter ist, hält eine Ansprache über Sinn und Zweck des Lehrgangs. Danach geht es raus. Es soll ein Foto von den Teilnehmern des neuen Lehrgangs mit ihren Hunden gemacht werden. Für die Homepage des Vereins.
Dabei kommt es schon zum ersten unliebsamen Zwischenfall. Ist doch ein Jagdterrier dabei, der ständig nach allem schnappt, was ihm zu nahe kommt. Blöd, dass auch die Hand seines Herrn, der ihn beruhigen will, zu nahe gekommen ist. Ruckzuck bekommt dieser die Zähne seines Hundes zu spüren. Eine prompte Erklärung des Fehlverhaltens seines Hundes wird natürlich geliefert. Selbstverständlich hat Max, der Terrier, das noch nie vorher gemacht. Das liegt jetzt nur daran, dass er Stress hat. Wegen der neuen Umgebung. Und den vielen anderen Hunden. Weil er ja sonst nur im Zwinger gehalten wird. Sich angeleint ruhig hinzusetzen kann man von Max natürlich auch nicht erwarten. "Nein, das haben wir noch nicht geübt. Aber deshalb sind wir ja jetzt hier, nicht wahr...." Es bleibt anzumerken, dass Max kein Welpe mehr, sondern bereits 1 Jahr alt ist.
Der nächste Hund in der Reihe, eine zierliche Magyar Viszla Hündin, ist ob der Menge fremder Hunde und Menschen so eingeschüchtert, dass sie sich am liebsten unter der Grasnarbe verkriechen würde.
Daneben vier Deutsch Drahthaar. Drei Hündinnen, ein Rüde. Zwei Hündinnen sind Wurfgeschwister. Ihre Führer: Vater und Sohn. Wer glaubt, dass sich Geschwister immer verstehen, wird hier gleich eines Besseren belehrt. Die beiden keifen und fletschen sich an, dass es eine wahre Pracht ist. Der Rüde in der Größe eines Shetlandponys fixiert ständig die anderen anwesenden Rüden und brummt dabei. Dem Besitzer ist das unangenehm und er versucht, dieses Verhalten durch Rucken an der Leine zu unterbinden. Was seinen Hund aber nicht im geringsten tangiert.
Deutsch-Kurzhaar sind auch vertreten: zwei Rüden, zwei Hündinnen. Sie sind ein bisschen aufgedreht, aber friedlich. Zumindest für den Moment. Eine Irish Setter Hündin, ein Deutsch Wachtel Rüde, ein Bretone und zwei Teckel mit ihren Führern komplettieren die Runde.
Das Foto, das dann auf der Homepage des Vereins veröffentlicht wird, zeigt Hundeführer, die angespannt versuchen, ihre Hunde voneinander fern und unter Kontrolle zu halten und dabei möglichst entspannt auszusehen. Zum Schluss werden noch Uhrzeit und Treffpunkt im ersten Revier, in das die Truppe am kommenden Samstag einfällt, bekannt gegeben, die Hunde in die Autos verbracht und zum geselligen Teil über gegangen.
Und dann ist es so weit. Der erste Übungstag. Hoch motiviert wird der Hund ins Auto geladen und zum Treffpunkt gefahren. Im Revier dann gleich zu Anfang die Aufforderung vom Lehrgangsleiter: "Dann schnallt jetzt mal alle Eure Hunde, damit sie sich auslaufen und lösen können". Auf den Einwand, dass das vielleicht doch keine so ganz gute Idee sein könnte im Hinblick auf die zum Teil nicht wirklich vorhandene gute Chemie zwischen den Hunden werden alle Zweifel mit einer Handbewegung weg gewischt. "Ach was, das sind alles junge Hunde, was soll da passieren? Außerdem haben sie genug Platz, um sich aus dem Weg zu gehen". Hm. Wenn er meint...?
Alle Hunde stürmen los. Die Drahthaar-Schwestern haben sich als erste am Wickel und müssen getrennt werden. Ein Kurzhaar-Rüde und eine Drahthaar-Hündin spielen miteinander. Das scheint dem Terrier nicht zu gefallen. Er mischt sich ein, schnappt nach dem Kurzhaar-Rüden und gibt dann Fersengeld. Der Kurzhaar findet das nicht witzig, nimmt die Verfolgung des Terriers auf. Die Drahthaar-Hündin eilt hinterher. Dem Terrier dämmert es, dass ihm der Kragen langsam eng werden könnte. Er gibt mächtig Gas. Es nützt ihm nur nichts. Erst greift ihn der Kurzhaar und schüttelt ihn ordentlich durch. Auf das Gebrüll von seinem Frauchen hin "Aus, wirst Du wohl aus lassen" lässt er tatsächlich den Terrier fallen. Dafür hat ihn jetzt die DD-Hündin am Wickel. Und die hat keine Lust, auf Befehl den Terrier frei zu geben. Schreit er doch so schön, wenn man ihn schüttelt.
Das Ergebnis von "lasst die Hunde alle laufen, da passiert schon nichts": Chaos, Beißerei, Geschrei und hektisches Agieren der Hundebesitzer und ein Terrier, der vom Tierarzt wieder zusamen geflickt werden muss. Gut, dass es keine zufällig dort vorbei kommenden Beobachter gab.
Die dann noch stattfindenden Gehorsamsübungen bringen zum Vorschein, dass kaum einer der Hunde auch nur ansatzweise anständig an der Leine laufen kann. Sitz und Ablegen geht nur unter zum Teil massiver Einwirkung. Einzige Ausnahme ist die sensible Viszla-Hündin. Aber bei ihr reicht schon das Erheben der Stimme aus und sie wirft sich auf die Erde.
Ihr glaubt, das ist eine erfundene Geschichte? Nun, ich versichere Euch, dass es sich genau so abgespielt hat. Ich finde es zugleich traurig und erschreckend, dass beim Grundgehorsam von Anfang an oftmals derart geschlampt und er später dann mit Gewalt in den Hund eingeprügelt wird. Ein vielen bekannter Jagdhundeausbilder sagte einmal in einem seiner Seminare: "Jede Hausfrau im bunten Baströckchen, die mit ihrem Hund Agility oder Dogdance macht, arbeitet intensiver und konsequenter mit ihrem Hund als die Jägerschaft, die mittlerweile die am schlechtesten ausgebildeten Hunde hat". Ich glaube, er hat damit gar nicht so unrecht. Leider.
Mein Frauchen hat auch gemerkt, dass meine Ausbildung nicht mal eben so nebenbei geht. Und es keinesfalls reicht, einmal in der Woche einen Lehrgang zu besuchen und ansonsten nicht auch täglich in kleinen Einheiten zu üben. Zeit und Konsequenz sind angesagt. Es ist nun mal so, dass wir Hunde nur das zeigen können, was uns beigebracht wurde. Dabei gibt es verschiedene Methoden, um ans Ziel zu kommen und letztendlich einen gut ausgebildeten, zuverlässig arbeitenden Jagdhund zu bekommen.
Darüber berichte ich dann das nächste Mal. Aus eigener Erfahrung.
Euer Schnösel
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Andrea Dehmer

Andrea Dehmer schlug den zur damaligen Zeit für Frauen typischen Berufsweg in Büro und Verwaltung ein. Ein Tätigkeitsschwerpunkt war dabei immer das Verfassen von Artikeln für die Presse und formulieren und halten von Vorträgen. 2007 zog der erste Jagdhund bei ihr ein und sie kam über den Hund zur Jagd. Im Jahr 2010 bestand sie die Jägerprüfung und löste den ersten Jagdschein. Sie jagt in einem Niederwildrevier und führt 4 Deutsch-Kurzhaar, die von ihrer ersten Hündin abstammen.

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