Jetzt bestellen!

Samstag, 21 November 2015 11:42

Epilepsie-Fälle im Deutsch-Kurzhaar-Verband

geschrieben von
Bei Züchtern und Hundebesitzern kursiert derzeit das Gerücht, dass es in der Rasse Deutsch-Kurzhaar ein Epilepsieproblem gibt.
Immer wieder wird dabei ein Rüde als Vererber genannt: Zeros Silesia. Er hat sich in der Rasse erfolgreich vermehrt. Rund 180 Nachkommen tragen seinen Namen in der Ahnentafel. Und da sich auch einige dieser Nachkommen bereits vermehrt haben, könnte das Problem Epilepsie, wenn es denn eines ist, langsam unüberschaubar und gefährlich für die Rasse werden.

Hund & Jagd ist dem Gerücht nachgegangen.

Bei Epilepsie unterscheidet man zwei Formen. Bei der sekundären Epilepsie werden Anfälle beispielsweise durch Tumore, Vergiftungen, Leber- oder Nierenschäden ausgelöst. Um auszuschließen, dass Sekundärerkrankungen zu den Krämpfen führen, werden Magnetresonanz-, Röntgen-, Ultraschall und Blutuntersuchungen durchgeführt. Sind die Befunde dieser Untersuchungen negativ, gelangt man zur Diagnose der heriditären oder idiopathischen Epilepsie. Sie kann noch nicht durch einen Gentest festgestellt werden, obgleich sie erblich ist.

Im Sommer 2014 erhielt der Zuchtwart des DK-Verbandes, Gerd Schad, tierärztliche Bescheinigungen über drei Hunde, die epileptiforme Anfälle hatten. Es waren alles Nachkommen von Zeros Silesia. Schad schrieb am 12. Juni 2014 dem DK-Präsidenten: "Lieber Michael, mit meinem heutigen Schreiben teile ich Dir mit, dass ich den Rüden Zeros Silesia für die Zucht gesperrt habe, da er mit drei verschiedenen Partnern epileptiforme Anfälle gebracht hat."

Die folgende Sitzung des DK-Präsidiums muss nicht sehr harmonisch verlaufen sein. An ihr nahm die Besitzerin des Rüden Zeros Silesia teil. Marica Schumacher ist im Präsidium Obfrau für die Berichterstattung. Das Thema Befangenheit stand offenbar nicht auf der Tagesordnung. Sie forderte Zuchtwart Gerd Schad auf, die Zuchtsperre zurückzunehmen. Andernfalls drohte sie mit einer Klage. Ihre Begründung war rein formaler Natur: In der Zuchtordnung des DK-Verbandes gebe es den Begriff Zuchtsperre nicht. Außerdem müssten für eine Löschung der Zuchteignung zwei Gutachten über betroffene Hunde gefertigt werden. Es lagen aber "nur" Bestätigungen von Tierärzten vor. Mit ihren Argumenten überzeugte die Züchterin die Mehrheit des Präsidiums. Gerd Schad musste die "Zuchtsperre" zurücknehmen. Schumacher teilte zudem dem Präsidium mit, dass seit 2011 mit Zeros nicht gezüchtet werden könne wegen einer Erkrankung. Das Thema Nachkommen blieb außen vor.

2010 erlebte die Züchterin Schumacher einen Epilepsieanfall hautnah, berichtet die betroffene Hundebesitzerin Susanne Adenau. Gino Silesia, ein Sohn Zeros, krampfte so intensiv, dass Marica Schumacher selbst mit dem Hund in eine Tierklinik nach Utrecht fuhr. Dies belegen Rechnungen, die auf den Namen Schumachers ausgestellt sind. Dort wurde ausgeschlossen, dass Gino an sekundärer Epilepsie leidet. Er hatte bis zu diesem Zeitpunkt vier schwere Anfälle gehabt. Alle Untersuchungen wurden später in der Tierklinik Bökelberg in Mönchengladbach wiederholt. Am Ende der Untersuchungen bestätigte der Tierarzt Dr. Ulrich Busch:"Seit August 2010 bestand Epilepsie. Nach Ausschluss aller erworbenen Ursachen...haben wir die Diagnose heriditäre oder idiopathische Epilepsie gestellt. Glen (Gino Silesia) geriet im September 2011 in einen status epilepticus, aus dem er nur unter stationärer Aufnahme in eine Klinik befreit werden konnte. Kurze Zeit später erlitt er zu Hause einen weiteren Anfall, der zum plötzlichen Tode führte."

Nach dem selbst erlebten Epilepsieanfall bei Gino Silesia hat die Züchterin Marica Schumacher ihren Deckrüden Zeros Silesia noch sieben Mal zur Zucht eingesetzt. Dabei fielen rund 50 Welpen. Zu jedem Deckakt hatte sie eine Deckbescheinigung, eine gesetzliche Urkunde also, unterschrieben. Auf ihr steht der Text: "Ich versichere, dass mir nicht bekannt ist, dass nach meinem Rüden Epileptiker gefallen sind."

Nach der Präsidiumssitzung, in der die "Zuchtsperre" für Zeros Silesia aufgehoben wurde, tagte am 18. Juli die Zuchtkommission des DK-Verbandes.

Ein Teilnehmer der Sitzung erinnert sich, dass der Antrag gestellt und angenommen worden sei, die Mitglieder des DK-Verbandes über die Epilepsiefälle sofort zu informieren. Dies hätte in den Kurzhaar-Blättern geschehen müssen, die Anfang November erschienen. Verantwortlich für die Redaktion der Kurzhaar-Blätter: Marica Schumacher, Obfrau für Berichterstattung. Berichtet wurde über das Epilepsieproblem - nichts. Zuchtwart Gerd Schad regte in derselben Sitzung übrigens an, alle Nachkommen der F1-Generation von Zeros Silesias für die Zucht zu sperren. Dieser Anregung wurde nicht gefolgt.

Offiziell sind derzeit dem DK-Verband sechs Fälle von Hunden bekannt, die epileptiforme Anfälle hatten. Alle wurden nach dem Rüden Zeros Silesia gezüchtet. Inoffiziell wird die Zahl der betroffenen Hunde auf 20 geschätzt, wobei bereits ein Hund der F 2-Generation betroffen sein soll. Epileptiforme Anfälle soll auch ein Nachkomme eines Bruders von Zeros Silesia haben.

Kommentar

Nein, hier geht es nicht gegen eine Rasse oder einen Züchter. Ich bin selbst überzeugtes Mitglied eines DK-Clubs, habe selbst schon DK geführt.

Als ich die ersten Hinweise auf Epilepsie bei DK erhielt, stellte sich das Problem zunächst als Kleinkrieg zwischen vielen beteiligten Personen heraus. Trennt man aber konsequent diese Kleinkriege von den echten Fakten, dann kommt man zu dem Ergebnis: Wo bleibt eigentlich der Staatsanwalt?

Immerhin wurde wissentlich mit einem Hund gezüchtet, bei dem zumindest der Verdacht bestand, dass er Epilepsie vererbt. Das ist strafrechtlich relevant! Ebenso die falschen Angaben in den Deckbescheinigungen.

Fassungslos bin ich darüber, dass der Verband bis heute seine Mitglieder im Ungewissen lässt. Für was nutzt der Verband eigentlich eine Homepage, wenn er schon nicht durchsetzen kann, dass das Problem in den Kurzhaar-Blättern - wie vom Zuchtbeirat beschlossen - veröffentlicht wird? Tobias Paulsen
Artikel bewerten
(30 Stimmen)
Tobias Paulsen

Tobias Paulsen hat den Beruf des Redakteurs ab den 70er Jahren in Frankfurt von der Pike auf gelernt. Journalistisch wirkte er zunächst im Lokalen und wechselte später an die Frankfurter Gerichte. Als er in den 90er Jahren Interesse für Wald und Wild entwickelte, war die Ausbildung zum ersten Jagdschein fast schon ein Muss. Anschließend arbeitete er einige Jahre für mehrere Jagdzeitungen und spezialisierte sich dann noch einmal auf den Bereich Jagdhund. Selbst führte er Teckel, einen Kleinen Münsterländer und aktuell einen Deutsch-Drahthaar. Hund & Jagd gründete er 2004.

Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten