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Samstag, 15 April 2017 11:59

Landgericht bestätigt Regelungsbefugnis der Zuchtvereine

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Auch die auf eine Rasse bezogene Wurfbegrenzung ist ein zulässiges Mittel zur Bekämpfung der Kommerzialisierung der Zucht.

Gerade bei stark nachgefragten Rassen und hohen Welpenpreisen wächst die Gefahr, dass Züchter nicht allein um den Erhalt und der Förderung der Rasse willen züchten, sondern zumindest auch um des lieben Geldes willen. Die Folge sind hohe Wurf- und Welpenzahlen. Nicht selten zahlen die Zuchthündinnen mit häufiger Belegung und kontaktarmer Haltung den Preis. Die oft als „hundegerecht“ verharmloste „Rudelhaltung“ vieler Zuchthündinnen verkennt, dass insbesondere unsere Jagdhunde für das Zusammenleben mit uns Menschen gezüchtet wurden und der menschliche Kontakt, aber auch die rassegerechte Auslastung ein Grundbedürfnis unserer Hunde darstellen. Allein die Beschränkung zulässiger Würfe für einzelne Zuchthündinnen und Mindestschonfristen für ihre nächste Belegung verhindern die fragwürdige Massenhaltung vieler Hunde nicht. Und auch Kontrollen der örtlichen Veterinärämter können allenfalls tierschutzwidrige Extremfälle eindämmen. Kommerzielle Zucht wird hierdurch nicht verhindert. Vereine, die in Umsetzung der VDH-Satzung die Förderung der Liebhaberzucht betreiben, kommen nicht umhin, auch die in einer Zuchtstätte jährlich zulässige Gesamtzahl der Würfe zu reglementieren, wenn sich Züchter nicht selbst beschränken und die Zucht in einem Umfang betrieben wird, der die Verfolgung vorrangig ideeller Ziele zweifelhaft erscheinen lässt.

Zu diesem Schritt hat sich im vergangenen Jahr auch der Labradorclub Deutschland e.V. (LCD) entschlossen, nachdem einzelne Züchter in recht kurzer Zeit jährlich mehr als die vier Würfe produzierten, welche über mehr als 30 Jahre hinweg ohne ausdrückliche Regelung als Höchstgrenze im Rahmen freiwilliger Selbstbeschränkung fast ausnahmslos akzeptiert worden waren. In einem Fall züchtete ein Züchter sogar sieben Würfe in einem Kalenderjahr. Weil ein einzelner Zuchtverein nur die Zucht der Rasse regeln kann, für die er nach seiner Satzung zuständig sein will, hat der LCD nur die Wurfanzahl für Labradore reglementiert, so dass Züchter, die noch eine weitere Rasse züchten, insoweit mehr als die jetzt 4 zugelassenen Würfe züchten können. Genau darin glaubte ein Züchter des LCD, der allein Labradore züchtet, einen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz zu erkennen und zog vor Gericht, um die Unwirksamkeit der Wurfbegrenzung feststellen zu lassen. Ohne Erfolg. Das Landgericht Dortmund gab dem beklagten Zuchtverein recht und wies die Klage ab. Eine unzulässige Gleichbehandlung von ungleichen Sachverhalten läge nicht vor, erkannte jetzt das Landgericht Dortmund. Zum einen könne ein Zuchtverein über den satzungsmäßigen Vereinszweck hinaus die Zucht anderer, ihm nicht anvertrauter Rassen nicht reglementieren. Zum anderen seien andere ebenso effiziente Mittel zur Verhinderung der Kommerzialisierung der Zucht und für den Erhalt der Genvielfalt nicht vorhanden (vgl. LG Dortmund 25 O 227/16, Urteil vom 07.02.2017).

Inwieweit wettbewerbsrechtliche Zwänge hier einen Zuchtverein binden, liess das Landgericht offen, da der LCD nicht der einzige Zuchtverein in Deutschland ist, über den die Verbandszucht des Labrador im VDH betrieben werden kann. Eine „marktbeherrschende“ Stellung könne daher dem LCD nicht zukommen. Zudem maß das Gericht dem Zuchtverein unter Hinweis auf die durch Art. 9 Grundgesetz geschützte Verbandsautonomie einen weiten Gestaltungsraum für die Regelung der in ihm betriebenen Zucht bei. Peter Wingerath

Bei Welpenpreisen von bis zu 1.800,00 €, den zurzeit Käufer bereit sind, für einen Labrador zu zahlen, und einer durchschnittlichen Wurfgröße von sieben Welpen, fällt es in der Tat schwer, bei mehr als vier Würfen jährlich noch eine Liebhaberzucht anzunehmen. Schon vor diesem Hintergrund hätte das Landgericht hier im Ergebnis nicht anders entscheiden können. Peter Wingerath
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Tobias Paulsen

Tobias Paulsen hat den Beruf des Redakteurs ab den 70er Jahren in Frankfurt von der Pike auf gelernt. Journalistisch wirkte er zunächst im Lokalen und wechselte später an die Frankfurter Gerichte. Als er in den 90er Jahren Interesse für Wald und Wild entwickelte, war die Ausbildung zum ersten Jagdschein fast schon ein Muss. Anschließend arbeitete er einige Jahre für mehrere Jagdzeitungen und spezialisierte sich dann noch einmal auf den Bereich Jagdhund. Selbst führte er Teckel, einen Kleinen Münsterländer und aktuell einen Deutsch-Drahthaar. Hund & Jagd gründete er 2004.

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