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Erbkrankheiten sorgen für Verdruss im VDD

(huj) Sigurd Croneiß, Hauptzuchtwart des Vereins Deutsch-Drahthaar, hat den Vereinsmitgliedern mitgeteilt, wie er sich den Kampf gegen Erbkrankheiten in der Rasse vorstellt. Hier zunächst sein Beitrag:

"In der Zuchtordnung des VDD steht schon immer: "Die Impulse in der Zucht des DD gehen vom Züchter aus. Seine züchterische Freiheit ist im Rahmen dieser Zuchtordnung gewährleistet."  Dieser Rahmen gibt nach wie vor an, dass Hunde mit Erbkrankheiten von der Zucht ausgeschlossen sind. Spätestens seit der Zuchtwartetagung 2008, wo wir uns intensiv mit der Osteochondrose dissecans (OCD) und der Ellenbogendysplasie(ED) befassten, sind diese jedem Züchter als Erbkrankheiten bekannt. Früher hielt man das Lahmen in der Schulter für umweltbedingt, so sagte mir ein inzwischen leider verstorbener Züchter: "Hör mir doch mit deinen Wissenschaftlern auf. Wir wissen doch schon immer, dass man das Gelenkmäusel durch falsche Fütterung und zu starke Belastung erzeugen kann." Für die Schwere der Erkrankung lag er damit sicher richtig, aber heute steht fest, dass eine genetische Veranlagung dazu vorhanden ist. Der Rahmen der Zuchtordnung gibt auch vor, dass Hunde ausgeschlossen sind, bei denen zuchtausschließende Mängel operativ behandelt oder auf sonstige Weise korrigiert wurden. Im VDD wurde also nicht erst jetzt reagiert, sondern mit der nun vorliegenden Zuchtordnung wurde nur der Begriff "Erbkrankheiten" besser ausgelegt als "zuchtrelevante Krankheiten, wie z.B. HD, OCD, usw".
Als Mitglied unterliegen wir auch der Zuchtordnung des VDH. Diese schreibt vor, dass erbliche Defekte durch geeignete Zuchtprogramme zu bekämpfen sind und dass dazu ein Vorgehen nach folgendem Phasenprogramm erforderlich ist:

Phase 1: Erfassung der erforderlichen Daten
Phase 2: Auswertung der Daten mit wissenschaftlicher Begleitung,Entscheidung über Ergreifung notwendiger Maßnahmen und ggf. Erstellung eines Zuchtprogramms
Phase 3: Mögliche Konsequenzen nach wissenschaftlicher Begleitung können sein:
Fortsetzung oder Modifikation des Zuchtprogramms, Einstellung, da kein weiterer Handlungsbedarf besteht, Durchführung eines neuen Zuchtprogramms

Zur wissenschaftlichen Begleitung ist der VDD e.V. Mitglied in der Gesellschaft zur Förderung kynologischer Forschung e.V. mit der 1. Vorsitzenden Dr. Helga Eichelberg. Für Genforschung und Blutgerinnungsdefekte haben wir bei Prof. Dr. Ottmar Distl an der Tierärztlichen  Hochschule Hannover eine DNA-Bank für den VDD. Für das Skelett (von Kiefer bis Hüfte) ist Dr. Dr. (Univ.Turin) Peter Schunk als Gutachter nach FCI in der GRSK e.V. zuständig.

Generell über alle Hunderassen werden an der TiHo Hannover zu 27 Erbkrankheiten Daten erfasst, davon sind 5 für den VDD beobachtungswürdig und im Artikel 14 der Zuchtordnung aufgeführt:

1. Epilepsieähnliche Anfälle: Erfassung der Daten schwierig, da wenig konkrete Befunde, Hoffnung auf Genforschung über alle Rassen (= Phase 1)
2. HD: HD-frei ist zur Zucht Pflicht, Genotypisierung und Untersuchung mit dem Genomchip läuft derzeit bei Prof. Distl (= Phase 3)
3. OCD: Datenerfassung läuft, Zuchtverbot bei bekannter OCD, Erklärung auf Deckbescheinigung und Wurfmeldung muss dem Zuchtbuchamt des VDD vorgelegt werden (= Phase 2)
4. ED: Datenerfassung läuft, weitere Maßnahmen voraussichtlich nicht erforderlich (= Phase 2)
5. Blutgerinnungsdefekte: bis März 2008 waren bei DD zwei Fälle des von Willebrand Typ 2 (vWD) dokumentiert, ein vermutlich neuer Fall kommt 2010 dazu und wird zur Zeit untersucht. Das Merkblatt für die Blutentnahme an unsere DNA-Bank wurde durch folgenden Text nach der Hauptversammlung im März 2008 erweitert:
"Es wird eine sofortige kostenpflichtige Untersuchung auf von Willebrand Typ2 (vWD) gewünscht. Die Ergebnisse werden streng vertraulich behandelt und nur an den Einsender übermittelt. Datum und Unterschrift für den Untersuchungsauftrag auf vWD: .........................."

Alle Untersuchungen schließen eine wissenschaftliche Verwertung der Ergebnisse mit ein. Bei Verwendung der Daten für wissenschaftliche Zwecke werden alle Angaben anonymisiert, so dass keine Rückschlüsse auf die Identität des Hundes, des Besitzers, Züchters und das Herkunftsland möglich sind. Mit der nachfolgenden Unterschrift wird das Einverständnis für die Verwendung der EDTA Blutprobe für wissenschaftliche Zwecke im Rahmen der vom VDD in Auftrag gegebenen Projekte gegeben.“
Setzt man 3000 Welpen pro Jahr und ein Alter von 12 Jahren an, dann leben zur Zeit 36000 DD. Die erforderliche Maßnahme ist jedem Züchter und Deckrüdenbesitzer bekannt. (= Phase 3)

Laut Beschluss des geschäftsführenden Vorstandes des VDD e.V. vom 15. Mai 2010 werden Untersuchungsergebnisse über Erbkrankheiten nur dann vom VDD anerkannt, wenn sie von Prof. Distl (Blut) bzw. von Dr. Schunk (Knochen) erstellt wurden. Die hier ermittelten erbgesunden Deutsch-Drahthaar werden in Zukunft vom VDD e.V. veröffentlicht.
Bei absolut keiner Erbkrankheit ist der VDD also auf Hilfe von außerhalb der Vereinsführung angewiesen. Der geschäftsführende Vorstand bittet daher die entsprechenden Herren, ihre nun offensichtlich verstärkt wieder aufgenommenen Aktivitäten einzustellen und sich an Versprechungen und Vereinbarungen, die mit dem vorherigen geschäftsführenden Vorstand des VDD e.V. getroffen wurden, zu halten. Auch an Verweise und Abmahnungen sei an dieser Stelle erinnert. Die Weitergabe von Daten durch nicht dazu autorisierte Personen und aus vom VDD nicht anerkannten Quellen dienen nicht der Sache, sondern schaden dem Ansehen unserer Zucht.

Aus dem Ausland ist z.B. bekannt, dass in Schweden allgemein alle Zuchthunde ED-frei sein müssen. In Österreich ist OCD-frei seit vier Jahren für die Zuchttauglichkeit erforderlich. Hier gibt es sicher viel Gesprächsstoff, denn der geschäftsführende Präsident des Österr. Vereines für Rauhaarige Vorstehhunde, Mf. Rudolf Sonntag, ist nach einem Gespräch mit mir sehr gerne bereit und erfreut, die Hegewald 2011 in Österreich durchzuführen."

Kommentar

Der Verein Deutsch-Drahthaar ist Deutschlands größter und wohl auch bedeutendster Zuchtverein für Jagdhunde. Deshalb verdienen Beschlüsse oder Maßnahmen rund um die Zucht des Deutsch-Drahthaars besondere Aufmerksamkeit.
Zahlreiche erbliche Krankheiten oder Defekte - ich denke hier unter anderem an HD, an Zahnfehler, an vererbbaren Wesensschwächen... - bekämpft der VDD seit vielen Jahren und ist dabei durchaus erfolgreich. VDD-Pressesprecher Jan Schafberg verweist deshalb zu Recht stolz darauf, dass der DD zu den gesündesten Rassen zählt.
Über OCD (eine vererbbare Knorpelfehlbildung) und vWD (eine meistens tödlich verlaufende Bluterkrankung) wird erst seit einigen Jahren mehr oder weniger offen diskutiert.
Bei der von Willebrandschen Krankheit (vWD) ist tatsächlich nur ein verschwindend kleiner Prozensatz von DD-Hunden betroffen. Trotzdem haben sehr, sehr viele Züchter ihre Hunde untersuchen lassen und werben mit vWD-freien Hunden. Sie haben sich selbst dieses Gütesiegel geschaffen, denn vom VDD gab es dazu jahrelang nur ausweichende Stellungnahmen. Mit einer Datenbank, die der "nervige Holländer" (Wortlaut eines Vorstandsmitglieds) Hans Keuper führt, ist aber nachgewiesen, dass es ungleich mehr Träger (also Vererber) dieser tückischen Krankheit gibt als tatsächlich erkrankte Hunde. Ob nun zwei oder drei Hunde wirklich erkrankt sind, spielt also keine Rolle. Wichtig ist das Wissen, welche Träger-Hunde in welchen Verpaarungen zum Einsatz kommen dürfen, um die Krankheit auszuschließen. Mag der Holländer auch noch so "nerven". Er hat nun einmal das Datenmaterial mit Hilfe vieler Züchter zusammengetragen.
Die zweite derzeit heftig diskutierte Erkrankung ist OCD. Sigurd Croneiß sagte in einem Interview, zehn Prozent der untersuchten Hunde seien befallen. Stimmt dies, dann erstaunt, dass der OCD-Test auf freiwilliger Basis erfolgt. Denn wie hoch wäre wohl der Prozentsatz betroffener Hunde, würde man alle zur Zucht eingesetzten DD zwingend untersuchen? OCD wurde erst richtig bekannt, nachdem ein Züchter und Deckrüdenbesitzer die VDD-Familie regelrecht betrogen hatte und mit einem operierten Hund munter weiter züchtete. Nach Bekanntwerden dieses Falles reagierte der VDD-Vorstand sehr schnell und sperrte den betroffenen Hund und einige weitere. Dieser hatte aber mittlerweile seine Gene an etwa 250 Nachkommen vererbt. Dem Züchter Manfred Höfges, der in einem zwölf Welpen starken Wurf neun an OCD erkrankte Welpen hatte, reichten die Maßnahmen des VDD-Vorstands offenbar nicht. Auch er begann damit, eine Datenbank mit erkrankten bzw. Träger-Hunden aufzubauen.
Anstatt nun aber diesen beiden VDD-Mitgliedern zu danken und ihre Erkenntnisse zu nutzen, werden sie vom Hauptzuchtwart gemaßregelt. Sie sollen endlich still sein, weil sie ansonsten der Rasse Schaden zufügen würden. Im Fall des Holländers Keuper verzichtet der VDD sogar auf eine riesige Datenfülle und hunderte von Untersuchungsergebnissen, die von der Firma Laboklin erstellt wurden. Der VDD benennt zwei Veterinäre, die künftig in einer gefestigten Monopolstellung die Untersuchungen auswerten sollen bzw. alleine dürfen.
Sigurd Croneiß hat Recht, wenn er die ständige Diskussion um Erbkrankheiten in der Rasse DD als schädlich ansieht. Auf Dauer schädlicher dürfte aber sein, wenn Außenstehende die Meinung gewinnen müssten, dass in diesem Zuchtverein nur hinter vorgehaltener Hand über die Probleme gesprochen werden darf.
Keuper und Höfges haben aus meiner Sicht keine Eigeninteressen verfolgt, sie haben der Rasse sogar gedient. Ihre Arbeit sollte auch entsprechend gewürdigt werden. Wenn dies ein zu großer Schritt für die Herren des VDD-Vorstands ist, dann sollten zumindest die Erkenntnisse der beiden Herren für die weitere Bekämpfung der Krankheiten genutzt werden. Tobias Paulsen

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